Lachgas: Warum der kurze Rausch schwerwiegende Folgen haben kann

Michelle Krah
IKK classic

Ein Luftballon wird rumgereicht, jemand lacht, jemand anderes kippt kurz nach hinten, steht dann wieder auf, grinst und sagt: „Alles gut“. So oder so ähnlich sieht Lachgas-Konsum auf vielen Partys aus. Wer Lachgas konsumiert, denkt meist, dass der Rausch irgendwie harmloser als bei anderen Drogen ist. Genau das ist der Punkt, an dem viele sich täuschen. Wir erklären dir warum!

Während der Lachgas-Rausch nach ein paar Minuten vorbei ist, können die Auswirkungen im Körper deutlich länger bestehen bleiben, im schlimmsten Fall sogar für immer.

Sicherlich hast du schon gesehen, wie Leute auf Partys Luftballons mit Gas füllen und dieses anschließend einatmen. Dabei handelt es sich um Lachgas. Verkauft wird es in Kartuschen, die eigentlich für Sahnespender gedacht sind. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wird Lachgas gezielt als Rauschmittel genutzt. Mit teils verheerenden Folgen.

Wir erklären gemeinsam mit einem Experten, was im Körper passiert, wenn du Lachgas einatmest, und welche Risiken wirklich dahinterstecken.

Was ist Lachgas und wofür wird es verwendet?

Lachgas, wissenschaftlich Distickstoffmonoxid (N₂O), ist ein farbloses Gas mit süßlichem Geruch.

In der Medizin wird Lachgas zum Beispiel beim Zahnarzt eingesetzt, um Schmerzen zu lindern und die Stimmung des Patienten zu lockern. In der Lebensmittelindustrie dient es zum Aufschäumen von Sahne. Doch Lachgas wird neben Alkohol und anderen Substanzen auch immer mehr als Rauschmittel auf Partys genutzt.

Was in deinem Körper passiert

Lachgas ist kein „Party-Gag“, sondern ein Stoff, der eigentlich als Narkosemittel eingesetzt wird. „Viele kennen das Gas aus der Zahnmedizin: Es sorgt für eine leicht fröhliche und abgelenkte Stimmung beim Patienten und wirkt gleichzeitig schmerzlindernd“, sagt Siegfried Gift, Sozialpädagoge und Abteilungsleitung, Jugend-, Sucht- und Familienhilfen der Condrobs e.V. „In der Medizin wird er kontrolliert verabreicht mit Sauerstoff, unter Aufsicht.“

Auf Partys läuft das anders. Wenn du Lachgas inhalierst, gelangt es innerhalb von Sekunden über die Lunge ins Gehirn. Dort sorgt es dafür, dass du dich kurz benommen oder euphorisch fühlst. Gleichzeitig passiert aber noch etwas anderes.  Dein Körper bekommt in dem Moment weniger Sauerstoff als er eigentlich braucht und das, ohne dass du es bemerkst.

Das Gehirn reagiert jedoch extrem sensibel auf Sauerstoffmangel. Schon kurze Phasen können ausreichen, um dich benommen zu machen, deine Reaktion zu verlangsamen oder dich sogar bewusstlos werden zu lassen. Und genau deshalb kippen manche, nachdem sie Lachgas inhaliert haben, plötzlich um – ohne Vorwarnung.

Warum sich Lachgas harmlos anfühlt – es aber nicht ist

Viele beschreiben den Effekt durch den Konsum von Lachgas als „kurz lustig“, „leicht daneben“ oder „wie weg für ein paar Sekunden“. „Bei höheren Mengen kann es auch zu Wahrnehmungsveränderungen kommen“, ergänzt Siegfried Gift. Was dabei oft ausgeblendet wird, ist, dass du in diesem Moment die Kontrolle ein Stück weit abgibst.

Du merkst nicht mehr richtig, wie dein Körper reagiert. Schmerz fühlt sich gedämpft an, Warnsignale kommen verzögert im Gehirn an. Das ist auch der Grund, warum Situationen schnell kippen können, ohne dass du es rechtzeitig einschätzt. Zum Beispiel: Du stehst auf, verlierst das Gleichgewicht, stürzt und realisierst erst danach, was passiert ist. Oder du inhalierst mehr, als dein Körper verträgt, und wirst einfach ohnmächtig.

In Deutschland häuften sich in den letzten Jahren die Fälle, bei denen Menschen nach dem Konsum von Lachgas sogar im Krankenhaus landeten. In Einzelfällen auch mit ernsthaften Nervenschäden oder Bewusstlosigkeit. Allein im Jahr 2023 auf 2024 hat sich die Zahl der Lachgasvergiftungen fast verdoppelt. Mit dieser Substanz ist also nicht zu spaßen.

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Was sind die Risiken und kurzfristigen Effekte?

Ein großes Problem bei Lachgas ist nicht nur die Wirkung selbst, sondern auch die Art, wie es konsumiert wird. Das Gas ist extrem kalt, wenn es aus Kartuschen austritt. „Im Partykontext ist es besonders gefährlich, wenn das Lachgas direkt aus der Flasche inhaliert wird. Durch die starke Abkühlung bei der Dekompression kann es zu Kälteverbrennungen an Fingern und Lippen kommen, außerdem kann der Überdruck Schmerzen oder sogar Verletzungen in der Lunge verursachen“, warnt der Experte.

Noch kritischer aber ist der oben erwähnte Sauerstoffmangel. In einer sicheren Umgebung mag es glimpflich ausgehen, wenn du das Bewusstsein verlierst – auf einer Party, draußen oder unterwegs kann das schnell gefährlich werden.

Welche langfristigen Folgen hat der Lachgas-Konsum?

Der kurzfristige Effekt ist das eine. Das größere Risiko entsteht oft erst, wenn Lachgas häufiger konsumiert wird. Denn Lachgas greift in einen wichtigen Prozess im Körper ein: den Vitamin-B12-Stoffwechsel. Dieses Vitamin brauchst du unter anderem, damit deine Nerven richtig funktionieren. Wenn dieser Prozess gestört wird, kann das Folgen haben, die man nicht mehr einfach „ausschlafen“ kann.

Betroffene berichten zum Beispiel von:

  • Taubheitsgefühlen in Händen oder Füßen, die nicht mehr verschwinden.

  • Unsicherem Gang, als würden die Beine nicht mehr richtig reagieren.

  • Problemen, sich zu konzentrieren oder an Dinge zu erinnern.

In schwereren Fällen kommt es zu Nervenschäden, die so stark sind, dass einfache Bewegungen plötzlich schwerfallen. Manche müssen wieder neu lernen, sicher zu gehen. Und das Entscheidende: Diese Schäden können dauerhaft bleiben. Selbst dann, wenn kein Lachgas mehr konsumiert wird.

Wie gefährlich ist Lachgas für die Psyche?

Neben körperlichen Risiken kann das Inhalieren von Lachgas auch psychisch belastend sein – zum Beispiel, wenn der Konsum außer Kontrolle gerät. Lachgas wirkt zwar kurz, aber die Situation drumherum ist heikel. Vielleicht kennst du diesen Gruppenzwang: Alle machen mit und du hast das Gefühl, du solltest auch. Oder du merkst, dass du öfter konsumierst, als du eigentlich willst. Auch ohne klassische Abhängigkeit kann Lachgas also durchaus Druck, Unsicherheit oder ein ungutes Gefühl hinterlassen.

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Lachgas-Verbot: Welche Regelungen gelten aktuell?

Der Bundestag hat im November 2025 ein Gesetz beschlossen, das den Missbrauch von Lachgas als Rauschmittel stärker einschränken soll, vor allem zum Schutz von Kindern und Jugendlichen. Die neuen Regelungen treten voraussichtlich am 12. April 2026 in Kraft, wie medizinische Fachmedien berichten. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums gelten künftig unter anderem folgende Regeln:

Wenn du unter 18 bist, darfst du Lachgas weder kaufen noch besitzen. Auch der Verkauf wird eingeschränkt, vor allem online und über Automaten. Dein Zahnarzt darf das Gas weiterhin verwenden und auch das Aufschäumen von Sahne ist damit weiterhin möglich.

Das Ziel dahinter ist klar: verhindern, dass ein Stoff, der oft unterschätzt wird, so leicht verfügbar bleibt.

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Fazit: Der kurze Rausch ist nicht das eigentliche Risiko

Lachgas wirkt schnell und viele unterschätzen, was im Körper dabei passiert. Deshalb wird davon abgeraten, Lachgas als Partydroge zu nutzen. Wenn du auf den vermeintlich harmlosen Rausch verzichtest, schützt du nicht nur deine Gesundheit, sondern vermeidest auch Risiken wie Unfälle, Sauerstoffmangel oder langfristige Nervenschäden.

FAQ

Ist Lachgas in Deutschland verboten?

Nicht vollständig. Der Verkauf und Besitz für Minderjährige wird jedoch eingeschränkt. Außerdem sollen Automaten- und Onlineverkäufe verboten und die Verkaufsmenge begrenzt werden. Medizinische und industrielle Anwendungen bleiben erlaubt.

Was passiert beim Einatmen von Lachgas?

Lachgas wirkt sehr schnell: Schwindel, Kribbeln, wackelige Beine oder kurzzeitige Euphorie sind typische Effekte. Wer mehr Gas einatmet oder es zusammen mit Alkohol nutzt, erhöht das Risiko für Bewusstlosigkeit oder Nervenschäden.

Wie gefährlich ist Lachgas für die Gesundheit?

Lachgas kann Nervenschäden, Störungen im Vitamin-B12 Stoffwechsel, Koordinationsprobleme und in Einzelfällen ernsthafte neurologische Schäden verursachen. Schon kurze Einwirkungen zeigen, dass der Körper auf das Gas reagiert.

Kann Lachgas tödlich sein?

In Einzelfällen ja – vor allem, wenn es in großen Mengen, regelmäßig oder zusammen mit anderen Substanzen wie Alkohol kombiniert wird. Todesfälle sind selten, aber die Risiken sollten nicht unterschätzt werden.

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Michelle Krah

Veröffentlicht am 07.04.2026

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